Dr. Steffen Wander Charity-Job vom 29. März bis 10. April 2009

Der nachfolgende Bericht schildert etwas ausführlicher die damaligen, dortigen Verhältnisse.

Meine Frau Christel (zahnmed. Laie) und ich waren schon 1997 in den R.C. Missionsschulen von Dornfeld und Aminuis tätig gewesen. Dieses Jahr war noch Jacky Rodrigues, aus meiner früheren Praxis, als Dental Hygenist mit von der Partie. Und das war auch gut so, denn Epukiro sollte innerhalb von nur zwölf zur Verfügung stehenden Tagen mitversorgt werden. Summa summarum 1800 Kinder! Wir hatten glücklicherweise ein tragbares Zahnstein-Entfernungs-Gerät dabei, denn die 2007 in Dornfeld installierte Dentaleinheit Sirona Fona A1 hatte unerwarteterweise gar kein ZEG.

Mit 21 Stunden Verspätung kamen wir ziemlich erschöpft um 4.30 Uhr in Windhoek an, was uns die Zollformalitäten ersparte, da alle Beamten endlich nach Hause wollten. Zwei Angestellte aus unserer ersten Einsatzstelle, die ebensolange hatten ausharren müssen, brachten uns nach Dornfeld, wo wir sofort nach dem Frühstück die Zahnstation einsatzfähig machten, um nach dem Mittagessen mit den Untersuchungen beginnen zu können.

01Das mitgebrachte ZEG-Gerät war eilends auf dem Schwebetisch des neuen Fona A1-Gerätes installiert. Die Wasserzufuhr erfolgte mit Hilfe eines Infusions-besteckes und einer Cola-Flasche, die am Schwenkarm der Operationsleuchte mit Tesatextilband angeklebt worden war. Seit 2008 existierte ein Dampfsterlisator und ein Destillierapparat, so fanden wir glücklicherweise einen Kanister mit 5 Litern destilliertem Wasser vor, welches wir sofort für das ZEG-Gerät verwenden konnten.

Ich saß im Vorraum mit Stirnlampe ausgerüstet, daneben unsere große Transportkiste, als Ablage für die Plastikboxen voller Spiegel und Sonden. Die Kinder knieten sich auf die von Air-Berlin mitgebrachte Deckenrolle nieder. Christel gab als Belohnung die mitgebrachten Luftballons aus, führte Statistik und schrieb Namenslisten für die Wiederbestellungen und farbige Zettel für: ZahnStein, Füllung oder eXtrahieren. Mühsam war es für sie, die für unsere Ohren ungewohnten Nachnamen zu notieren, denn die „Selbstschreiber“ schrieben in der Regel nur ihre Vornamen auf und die lauteten dann: Adelheid, Emma, Naftalia, Sieglinde oder Albert. Die Hausmutter (Matrone genannt) hakte zusätzlich auf der Schülerliste die Kinder an, die wieder kommen mussten.

Die einfachen Zahnsteinentfernungen wurden gleich an Jacky ins Behandlungs-Zimmer delegiert.

Fürs Erste“ waren das schon mal ca. fünfzig Zahnstein-Behandlungen.
An den ersten beiden Tagen wurden also durchschnittlich 60 Kinder pro Stunde gecheckt. Dieses Untersuchungstempo ist insofern unproblematisch, da die Gebisse zu 85 % kariesfrei sind und es de facto keine Approximalkaries gibt .

Die Kinder müssen in Reihe anstehen und zügig zur Untersuchung Platz nehmen. Dabei gab es natürlich auch lustige Momente, z.B. als ich mich (in Aminuis) auf einen Stuhl stellen mußte um einem besonders großen Kerl in den Mund schauen zu können. Aber anstrengend war es trotzdem, so dass wir, wie an den folgenden Tagen jeden Abend erschöpft zu Bett gingen.

In der Mittagspause vom 30. März mußten wir eine Leckage der neuen Dentaleinheit beseitigen, was wegen eines Materialfehlers (mangelhafte Hitzebeständigkeit) der Schläuche leider missglückte. So verknoteten wir einfach die Schläuche der Luft-Wasser-Spritze.

Sowohl Jacky, als auch Christel vermittelten den Kindern die Grundzüge der Reinigung mit einer Zahnbürste.

Am Abend des 31. März musste der dicke Absaugschlauch im Anschlußkasten neu verlegt werden, da er geknickt war und sich bei Erwärmung selbst immer zusammenzog. Als diese Arbeit endlich erledigt war brach auch noch der Absperrhahn für die Wasserzufuhr auseinander und es dauerte eine halbe Stunde bis jemand zur Stelle war, der den im Sande vergrabenen Hauptabsperrhahn gefunden hatte. In der Zwischenzeit schaufelten wir wie verrückt etwa 20 Eimer voll Wasser aus dem Fenster hinaus, da das neue, teure Dentalgerät abzusaufen drohte.

Am 3. April gönnten wir uns 20 Minuten am „Theatron“, einem Halbrund mit Sichtschutzwänden und Swimmingpool. Sehr geeignet auch zum Wäsche aufhängen. Am Abend des selben Tages hatten wir endlich auch Muße, mit den Schwestern den Feierabend zu verbringen.

Am 4. April hielten wir noch eine Vormittagssprechstunde ab, sterilisierten während der Mittagspause das Instrumentarium und bereiteten die Gerätschaften für die nächste Aufgabe vor. Nach einer kleinen Kaffepause im idyllischen Schwesterngarten fuhr uns Bruder John über 150 km Schotterpiste nach Epukiro, wo wir spätnachmittags ankamen und den 83-jährigen, rheinländisch-humorvollen Pater Volk kennenlernten.

Das Schulgelände ist von vielen kleinen, zum Teil sehr gepflegten ebenerdigen Häusern mit Gemüsebeeten und Blumenrabatten umgeben. Es gibt auch einen Krankenhausbungalow. Gleich nach Ankunft u. Imbiß bauten wir mit dem Transcare-Dental-Gerät eine Zahnstation auf.

Etwa 180 Kinder erwarteten uns schon in Gruppen im Sand sitzend und waren gespannt auf das Untersuchungszeremoniell. Die Eigenbau-Nacken-stütze erwies sich als nützlich, aber verbesserungs-bedürftig. In Epukiro gibt es leider kein „Hostel“ (Internat).( Dies hat sich inzwischen geändert. P.S.) Etliche Kinder wohnen bei ihren Eltern, was deutlich am Hygienezustand der Zähne zu sehen ist. Die Frage ist, wie man künftig an alle Schul-kinder zur Mundhygieneaufklärung herankommen könnte.
Der Folgetag, 5. April, war Palmsonntag und wir besuchten erst die großartige Liturgie. Wegen der Winterzeit waren die Uhren offiziell bereits umgestellt. Nicht so aber in Epukiro! So gewannen wir eine zusätzliche Stunde zum Arbeiten, denn die Umstellung wurde erst für die Nacht von Sonntag auf Montag vollzogen, um die Kinder nicht aus dem Trott zu bringen.
Die Nachmittagsbehandlung wurde zu einem großen Ärgernis, denn keine Schwester, kein Lehrer und keine Schülerliste stand uns zur Verfügung und so wurde behandelt wer halt so daherkam. Das wirkliche Durcheinander wurde uns erst bewusst, als zum wiederholten Male Kinder den Mund aufmachten und wir uns sagten: „verflixt, dieses Gebiss kennen wir doch schon“. Die Kinder wollten einfach nochmals einen Luftballon geschenkt bekommen. Ziemlich verärgert darüber, so allein gelassen zu werden machte ich mich auf die Suche nach irgendeiner Schwester. Vergeblich! Pater Volk rettete uns dann aus der misslichen Lage. Allerdings hatte er ziemlich Mühe die wilde Horde vor der „Zahnstation“ in einen disziplinierten Haufen zu verwandeln.
Als wir dann gegen 17.30 Uhr unsere Arbeit beendet hatten und die Gerätschaften für die Abreise am Montagmorgen versorgten, tauchte plötzlich die Prinzipalin, die Schulleiterin auf, um ihr Kind (und auch sich selber?) behandeln zulassen. Angeblich hatte sie nicht gewusst, dass wir uns zum „dental work“ in Epukiro aufhielten. Sie hätte uns zwar in der Kirche gesehen, sagte sie, aber für Touristen gehalten. Dies hat uns sehr, sehr befremdet, zumal Pater Volk am Ende der Messe die Kirchgänger auf uns und unseren „charity job“ aufmerksam gemacht und dafür gedankt hatte. Einige Kirchgänger hatten uns beim Verlassen der Kirche sogar noch dankend die Hände geschüttelt. Uns wunderte nun nicht mehr, weshalb in Epukiro nur die Hälfte der eingeschulten Kinder zur Zahnstation gekommen war.

Die Abende verbrachten wir jeweils mit Pater Volk und Bruder John bei einigen Flaschen Bier, (den Schwestern sei Dank!).

Am Montagvormittag, 6. April, behandelten wir noch einige Kinder. Inzwischen hatte Bruder John bei den Hereros seine Kühe wieder gefunden. Wir fuhren wir mit ihm und Pater Volk erst nachmittags wieder nach Dornfeld zurück. Unterwegs konnten wir eine extrem langsam über die sandige Piste schleichende Cobra aus allernächster Nähe beobachten.

Abschied von Epukiro

 

 

Am Vormittag, des 7. April, nahmen wir in Dornfeld noch einige Kontrollen und Restbehandlungen vor. Anschließend wieder Reinigung und Sterilisation des Instrumentariums mit Überprüfung und Verpackung der Gerätschaften für die nächste Aktion. Dann ein kurzes Mittagessen. Schwester Ansgardis, unverändert frisch, wie vor 12 Jahren, erwartete uns schon für die 200 km lange PistenFahrt nach Aminuis. Als wir schon abfahrbereit waren, wurden wir nochmals aus dem Auto gebeten, um in den Speisesaal zu kommen. Dort empfing uns dann ein tausendstimmiger Chor, als Dank für unser Engagement, und wieder flossen Tränen, wie 1997. Für jeden gabs noch ein kleines Abschiedsgeschenk und von mir, auf einem Stuhl stehend, mit einem Kloß im Hals, noch ein paar Dankesworte für den Abschiedsgesang. Dann wurden wir von einer tanzenden Mädchenschar zum Auto begleitet – und ab ging es nach:

Aminuis. Dort angekommen richteten wir sofort das Behandlungszimmer ein:

Transcarekoffer auf dem Kühlschrank, das Instrumen-tarium auf einem mit Plastik-folie überzogenen Bett. Die Untesuchungen gingen flott voran, da die Schwestern organisatorisch vorgesorgt hatten. Auch hier in Aminuis zeigte sich wie in Dornfeld, daß ganze Klassenverbände mit extrem gepflegten Gebissen aufwarteten und andere, deren Mundhygiene sehr zu wünschen übrig ließ.

Trotz der umständlicheren Arbeitsweise mit dem Transcarekoffer konnte ich hier in Aminuis, wie schon 12 Jahre zuvor, mit meiner Frau und einer Matrone die Untersuchungen u. Behandlungen streßfrei durchführen. Das angenehme Umfeld dieser kleineren Station und die „artigen“ Kinder, erleichterten die Arbeit.

Am 9. April, Gründonnerstag-Mittag war die Arbeit getan. Schwester Ansgardis zeigte uns zu Recht wieder voller Stolz die schöne Anlage, die Schulräume und die sanitären Einrichtungen. Schwester Ansgardis machte am späten Nachmittag noch eine Rundfahrt mit uns durch Aminuis. Schwester Jutta schenkte jedem von uns ein Fläschen verschiedenfarbigen Namib-Wüstensandes.

Nachmittags wurden bereits viele Kinder zum verlängerten Osterwochenende von den Eltern abgeholt. Nach dem Abendessen wurden wir in die Dunkelheit vor den Kirchplatz hinausgebeten, wo uns eine Truppe von 50, 60 Kindern eine atemberaubende Gesangs-und Tanzdarbietung lieferte. Die Stimmung war umwerfend:

Dunkelheit, nur die schwach beleuchtete, gelbe Kirchenwand, Staub, aufgewirbelt von stampfenden Füßen. Wir waren zu Tränen gerührt! Wenn afrikanische Kinder ungehemmt ihren mehrstimmigen, rhythmischen Gesang anstimmen, bleibt kein Auge trocken!

Danach saßen wir wieder mit den Schwestern zusammen. Wir bekamen unsere Bierchen und Schwester Jutta strickte. Am Karfreitagmorgen, 10. April, brachte uns Schwester Ansgardis wieder nach Dornfeld, wo wir noch einige, wenige Patienten behandelten. Die Mittagszeit verbrachten wir dann mit Sterilisieren, Ausmisten, Archivieren, Listen schreiben und Einpacken, um nachmittags zu unserem Hotel Monika nach Windhoek gebracht zu werden.

In eigener Sache:

Afrodent e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, getragen von z. Zt. 13 Mitgliedern.
Unser Bemühen ist es alljährlich zwei Behandlerteams zu obengenannten drei Missionsstationen zu schicken. Aufgrund der geringen Mitgliederzahl sind wir auf Spendengelder und Sachspenden der Dentalindustrie und des Dentalhandels angewiesen.

 

 

 



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