Pleiten, Pech und Pannen….

Und wieder war eine Reise nach Namibia vorgesehen, wir alle hofften, mit gutem Ausgang und Erfolg. Hier der Bericht unseres 1. Vorsitzenden:

Freitag d.26.09.2014

Ankunft: Freitag morgen, da jetzt der Termin für die „oral examination“ , ( sehr kurzfristig vor zwei Wochen mitgeteilt ), feststand.
Nach Ankunft im Hotel noch zur Registrierungsstelle, um ein sog Manual für 250 N$ zu holen – kein Exemplar vorrätig.Ich bekam es am nächsten Morgen, DIN A 4, drei cm dick. Dafür wurde mir aber mitgeteilt, dass meine Registrierungs- und Prüfungsgebühr noch nicht bezahlt sei. Etwas Irritation bei uns, da das Geld tlw. schon vor Monaten über den Missionsprokur in Borken nach Namibia gesandt worden war. Also Anruf beim RCHC. Schwester Angela Bock hatte keinen Geldeingang verzeichnen können. Anscheinend liegt es noch ruhig auf dem Diözesankonto beim Erzbischof und der war in Rom.

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Im Garten unseres Hotels
Also erneut bezahlen, sonst wäre ich vielleicht am nächsten Tag gar nicht zur Prüfung zugelassen worden. Die sollte um 8:00 sein.Abends ging es dann in ein empfohlenes Lokal in der City.

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Außer mir erschienen noch 3 Prüflinge, 2 Kubaner und ein Kollege aus Tansania. Zwei davon machten die Prüfung als Wiederholer. Zuerst kam der jüngere Kubaner an die Reihe, Prüfzeit zwei Stunden. Dann wurde der Kollege aus Tansania hereingebeten, wieder zwei Stunden. So war ich um 12:00 Uhr an der Reihe.
Zwei nette deutschsprechende Kollegen begrüßten mich, der dritte Prüfer aus der Verwaltung, der für die „Ethic“ zuständig war, war verschwunden.
Die Prüfung bestand aus verschiedenen Bildern am Laptop, wie Röntgenaufnahmen jeder Art, pathologischen Befunden, dazu Fragen nach Diagnose und Therapie. Fast alles Dinge, die einem Praktiker mit langjähriger Erfahrung keine Probleme bereiten sollten. Die hatte ich nur bei der Erkennung einer HIV-Zunge und einem Fall von Noma.
Die Prüfer waren ausgesprochen nett und freundlich und als sie erfuhren, dass ich die ganze Geschichte nur für 2 – 3 Wochen Arbeit machte, waren sie doch etwas erstaunt, ebenso über die lange Verweildauer unserer Papiere.
Nach einer ¾ Stunde war die Prüfung beendet und mir wurde ein schöner Aufenthalt in Namibia gewünscht. Ich hatte zwar das Gefühl die Prüfung bestanden zu haben, Sicherheit hatte ich aber erst nach einem Anruf am nächsten Mittwoch.
Dann wurden wir von Vitalis am frühen Nachmittag nach Dornfeld abgeholt. Der Sonntag war mit Aus- und Umpacken der Kartons, die per Container gekommen waren und der Zusammenstellung für Aminuis belegt.
Am Montag sollten wir gegen 13:30 Uhr von Simon abgeholt werden. Er kam dann kurz vor 16:00 Uhr. Einpacken, aufladen und dann ging es nach Aminuis. Leider war die Fahrt nicht sehr reibungslos. Ca. eine halbe Stunde vor Erreichen des Zielortes geriet unser Wagen, inzwischen hatte ich wegen Müdigkeit von Simon das Steuer übernommen, in ein sog. Sandplaning. Wir gerieten über die Sandpad auf die Gegenfahrbahn und ins Grasgelände. Dort kippte der Wagen dann auf die Seite und endgültig aufs Dach.

P1000855<– unser Behandlungskoffer

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Glück im Unglück: Keiner ernsthaft verletzt, nur kleine Blessuren. Anders ging es aber meiner Frau, die fünf Rippen angebrochen hatte, wie sich aber erst nach Rückkehr in Deutschland herausstellte.
Den nächsten Vormittag verbrachten wir auf der Polizeistation in Aminuis. Die Bearbeitungsgeschwindigkeit war berauschend. In der Zwischenzeit mussten auch alle zur Ambulance, wie von der Polizei gefordert. Meine Frau bekam dort ein paar Ibuprofen, ohne näher untersucht worden zu sein.
Am Nachmittag konnte ich dann unsere Geräte inspizieren. Nichts war verloren gegangen außer meiner Brille, ich hatte aber wohlweislich eine Ersatzbrille dabei. Alle Geräte funktionierten, trotz etlicher Macken im äußeren Erscheinungsbild, einwandfrei. Also konnten die Kinder behandelt werden.
Zuerst ließ ich immer klassenweise antreten, so dass jeder eine neue Zahnbürste und Luftballons bekam. Die Verteilung der Bürsten war durch die großzügigen Spenden von der dm-Zentrale in Karlsruhe und MC Schiffer Neustadt/Wied möglich.

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Danach konnten dann alle wieder gehen, außer den Kindern, die ich schon im März zur Behandlung oder Kontrolle notiert hatte.

Da meine Frau bewegungsmäßig stark eingeschränkt war, wurde mir eine junge Dame zur Seite gestellt : Ivo. Sie hatte schnell die nötigen Handgriffe verstanden und war mir eine gute Hilfe.

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Nach 3,5 Tagen war ich dann in Aminuis fertig.
Danach stand noch Epukiro an. Auf Grund früherer Erfahrungen wollte ich auf keinen Fall fahren, ohne vorher das persönliche OK von Pater Raimund bekommen zu haben. Nach einigen Bemühungen hatte ich ihn dann am Abend persönlich am Telefon : „Ich bin zwar nicht da, aber es wird alles geregelt!!“ Also ging es am Sonntag Mittag nach Epukiro.
Dort angekommen, war niemand zu finden, aber das kennt man ja. Nach einiger Wartezeit und ausgiebiger Suche fand ich dann im Paterhaus jemand. Dies war ein neuer Pater (zusätzlich ), der von Nichts wusste. Na ja , vielleicht Bruder John? Also wieder warten. Dann kam der Bruder, der auch keine Ahnung von unserer Ankunft hatte, aber alles flott regelte.
Unser „Behandlungszimmer“ musste erstmal entrümpelt werden, da es zwischenzeitlich zu einer Schlafstelle und wie es aussah, zu einer Rumpelkammer umfunktioniert worden war. Kurz bevor wir mit dem Auf- und Einräumen fertig waren, gab es die zweite Hiobsbotschaft. In einem Schreiben der Stromgesellschaft, das uns Bruder John zeigte, wurde mitgeteilt, dass von Dienstag bis Donnerstag jeweils von 8:00 bis 17:00 Uhr der Strom abgestellt würde, da die Holzmasten ausgetauscht würden.
Also nur am Montag und abends arbeiten. Wir schafften es aber am Montag alle Kinder auf der Liste – außer Kindergarten und Pre Primary – fertig zu behandeln. Um 21:00 Uhr war ich dann am Montag fertig.
Da die kleinen Kinder laut Aussage der Prinzipalin weder vor, noch nach dem Stromstopp kommen konnten oder wollten, wurden sie auf nächstes Jahr vertröstet (? ). Ausreichend Zahnbürsten wurden da gelassen und dann alles zusammen geräumt, da dieser Ort wirklich nicht der einladenste ist.
In Gobabis zurück verabschiedeten wir uns von Elias und Ivo , ohne die ich doch etwas aufgeschmissen gewesen wäre.

P1000873   Die Zukunft ? Namibias
Da sich die Beschwerden meiner Frau verschlimmert hatten und auch ein Besuch in Gobabis bei einem Arzt, ein Gemüseeinkauf für die Hostels wurde dafür genutzt, nichts gebracht hatte, außer neuen Schmerztabletten, beschlossen wir, unseren Aufenthalt in Namibia zu verkürzen. Ein Anruf bei Air Namibia genügte. Die Fahrt nach Windhoek wurde mit der Abgabe meiner 35 Fragen ( die Beantwortung gehörte zur Prüfung) und der Verbringung zweier defekter Melag Autoklaven zur Fa. Genmed verbunden.
In der Registrierungsstelle teilte mir dann Ms. van Zyl mit, dass mein Zertifikat und mein Ausweis vorlägen und ich nur noch eine kleine Gebühr zu zahlen hätte. 80 € und ich habe die Berechtigung mich in Namibia nieder zu lassen. Die müssen allerdings jedes Jahr wieder gezahlt werden, sonst kann man aus der Registrierungsliste gestrichen werden und würde dann illegal arbeiten. Auch in Deutschland wird ja eine jährliche Kammergebühr erhoben.
Dann ging es zum Flughafen. Der Flug verlief reibungslos und in Deutschland ging es erstmal zum Krankenhaus. Dort der Befund bei meiner Frau : 5 angebrochene Rippen rechts und ein eingeklemmter Nerv am linken Arm. Behandlung nur am Arm, möglich mit Fango und Massagen. Also war der vorzeitige Rückflug richtig.
Fazit : Wir hatten noch nie solch einen stressigen Aufenthalt und der Unfall war der erste schwere in meiner 50 jährigen Fahrpraxis – 4000 km hatte ich im März in Namibia und Botswana zurückgelegt – aber trotzdem komme ich wieder.



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