Ein etwas schwieriger Einsatz in 2013

Bericht zum zahnärztlichen Hilfseinsatz in Namibia 2013

Unser Arbeitseinsatz für Afrodent in der Missionsstation Dornfeld/Gobabis war geplant vom 21.02. bis zum 12.03.2013 . In Dornfeld warteten ca. 800 Schulkinder auf eine zahnärztliche Untersuchung und falls nötig, auch auf Behandlung durch die „Zahndoktors“ aus Deutschland.
Der geplante Abflug in Frankfurt verzögerte sich wegen technischer Probleme des derzeit einzigen Langstreckenfliegers von Air Namibia um zwei Zwangsübernachtungen in Hotels im Airportbereich. Die Stimmung unter den Fluggästen war dementsprechend „not amused“ .
Am 23.02. kamen wir dann gegen 21:00 Uhr Ortszeit am Hosea Kutako international Airport Windhoek an und konnten unsere Abholer begrüßen, sie warteten schon einige Stunden auf uns. Gegen Mitternacht erreichten wir Dornfeld. Sr. Angela hatte uns erwartet, spendierte uns noch ein Willkommensbier – und dann ab in die Koje.
Am Sonntag 24.02. inspizierten wir dann mittags mit Sr. Angela die Zahnarztambulanz – inzwischen gesichert mit Stacheldrahtzaun rundum, ähnlich einem Hochsicherheitstrakt . Grund dafür: in letzter Zeit hatten wohl halbstarke Schüler öfters in dem Gebäude randaliert! Das Zahnarztzimmer hatten sie aber nicht aufgesucht . DSCN1058Wir entschieden uns für einen Start am Montagmorgen – noch steckte uns die etwas strapaziöse Anreise in den Knochen und der Temperaturunterschied von ca. -4 Grad bei Abflug auf jetzt ca. 37 bis 38 Grad im Plusbereich.
Am Montag Einrichten des Behandlungsbereich in den Sollzustand.
Von Dienstagmorgen bis Donnerstagvormittag liefen dann die Untersuchungen der Schüler mit großer Prophylaxeeinlage am Donnerstag : Anfärben der Zahnbeläge mit Putzhinweisen und nach vollbrachter perfekter Reinigung mit Einwegbürsten – Belohnung mit einer neuen Zahnbürste aus dem Spendenbestand. Beim Anfärben beschränkten wir uns auf die Grundschüler – eine weitere Ausdehnung wäre zu zeitintensiv geworden. DSCN0976DSCN0989

Mittags ging es dann mit Behandlungen – zunächst der Grundschüler – los. Nebenbei mussten wir noch einen gebrochenen Schlauch in der Behandlungseinheit provisorisch reparieren, da wir dafür keinen Ersatz mit hatten. Ein zugeschnittener Schlauch aus einer leeren Sprühflasche musste zunächst reichen. Des weiteren funktionierte nur eine Absaugung und das eingebaute ZEG sprühte immer noch lustig von hinten in des Behandlers Rücken, wenn man es dann nicht nach Einsatz abdrehte. Diese Mängel hätten eigentlich vom Techniker im Vorjahr behoben sein sollen – man sollte wie daheim ein Mängelbuch einführen und entsprechend nach Reparatur abhaken.
Freitag und Samstag bis zum Abend war dann die Primaryschool mit Behandlung fertig – bis auf 4 Ausreißer.DSCN0944
Am Samstag zwang uns ein weiterer Schlauchschaden im Inneren der Einheit zum Umstieg auf die Behandlung mit der am Gerät angebrachten Wasserflasche und entsprechender Kappung des von außen zugeführten Wassers.
Sonntag – am „Tag des Herrn“ – schafften wir nur ca. 20 Behandlungen – teils waren die Schüler unwillig und wir waren auch ganz froh, bei den Außentemperaturen von ca. 38 Grad uns in Ruhe der Nachbereitung widmen zu können. An den nahegelegenen Waschtrögen hatten die Kinder ihren Spaß beim Wasser planschen – erhöhter Spaß, wenn wir Fotos machten und auch noch zur Feier des Tages Ballons ausgaben.DSCN1185
Montag 4.3. bis Donnerstag schafften wir dann die restlichen Behandlungen der High-School Kinder mit immer wieder eingebrachter Individualprophylaxe wo nötig. Teilweise erreichten die Temperaturen im Behandlungszimmer schon höchst unangenehme Größenordnungen – besonders wenn wir zusätzlich mit Wasserdestillator und Autoklav den Raum heizten. Aber auch daran kann man sich ein wenig gewöhnen – die einzige „Klimaanlage“ ist dann der Durchzug.
Am Donnerstagnachmittag kam der angeforderte Techniker der Fa. Genmed aus Windhoek und mit seiner Hilfe konnten wir die Einheit wieder auf Vordermann bringen – einen fehlenden Motorschlauch wollte er bei nächster Gelegenheit austauschen. Danach konnten wir unsere restliche Arbeit erledigen. Donnerstagabend und am Freitag war Zeit für die Inventur der Ambulanz. Meist mussten auf dem Weg zum Mittag- oder Abendessen noch einige Fotos gemacht werden – und wenn das andere Kinder spitz bekamen, dann kamen sie aus allen Richtungen angelaufen – Foto, Foto und „balloons“ ! -die Freude war immer riesig wenn sie sich auf dem Display sehen konnten. Die „kiddies“ machen einfach sehr viel Freude und entschädigen für Vieles, was bei solch einem Einsatz nicht das reine Vergnügen ist.
Freitag am 8.3. war morgens eigentlich die Anreise von Dr. Peter Schöner und Gattin avisiert, aber es gab wohl Probleme am Immigrationoffice, die erst mit einem Anruf beim Erzbischof in Windhoek einigermaßen entschärft werden konnten.
In der zahnärztlichen Ambulanz machten wir emsig weiter mit Bestandsaufnahme und aktueller Katalogisierung, um für potentielle Nachfolger einen einigermaßen optimierten Arbeitsplatz hinterlassen zu können . Zum Abendessen waren dann Schöners auch endlich aus Windhoek vor Ort eingetroffen und berichteten – noch sehr unter dem Eindruck auch der sprichwörtlich „afrikanischen Regulierungswut“ – was ihre Gespräche mit den angeblich zuständigen Entscheidungsträgern gebracht hatten. Am Samstag waren wir dann nochmal mit Schöners in der Ambulanz – sichteten ihre Spenderkartons und verpackten Material für die Mission in Aminuis. Überschüssiges an zahnärztlichen Materialien gaben wir wieder an Sr. Bernadette für die Zahnarztambulanz im Krankenhaus von Gobabis weiter. Dann restliche Reinigungs- und Aufräumarbeiten in unserer Ambulanz und Abschluss des Einsatzes !DSCN1217
Jetzt war endlich Entspannung angesagt – Sonntag – Seele baumeln lassen – hier und da noch ein paar „balloons“ an die Kinder verteilt – ein paar Fotos geschossen und Schöners auf ihren Transfer nach Aminuis entlassen – Wiedersehen und Gedankenaustausch in einigen Wochen in Deutschland geplant. Am Sonntagabend ging es dann ans Kofferpacken für die Rückreise – merkwürdig war nur – dass die Koffer gar nicht merklich leichter schienen, obgleich wir doch so viel Equipment dagelassen hatten Nachdem wir uns dann am Montag von allen guten Seelen und uns liebgewordenen Schwestern verabschiedet hatten ging es mit Elias als Fahrer in dem schon uralten Toyotabus auf die Reise gen Flughafen. Er brachte uns zu einer Guestfarm in quasi Sichtweite vom Flughafen, wo wir die letzte Nacht in Namibia verbrachten und noch viele interessante Menschen kennenlernten, die vom Bereisen des Landes begeistert erzählten und – z.T. auch mit uns auf den Rückflug gingen.
Start war dann am nächsten Morgen und es ging pünktlich los ! Unterwegs dann aber unerwartet Zwischenstopp in Rom – der Flughafen Frankfurt war wegen Schneechaos (!) geschlossen und wir mussten in Rom auf die Anflugerlaubnis warten. Nachts gegen 23:30 Uhr landeten wir dann wahrhaftig im Schneechaos und der Flieger fuhr sich noch kurz vor Erreichen des „Ausstiegschnorchels“ im Schnee fest – was es alles gibt ! Jetzt noch eine Nacht im Frankfurter Flughafen – zusammen mit vielen dort Gestrandeten – und dann mit dem ersten Zug ab nach Hause.
Diesmal eine An- und Rückreise mit einigen Hindernissen, aber der Einsatz war wieder sehr schön – und vom fröhlichen Kinderlachen werden wir noch lange zehren können.

Dr. Cornelia Leuer-Fischer und Dr. Joachim Fischer aus 47533 Kleve



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